Bis daß ein Tod

Bis daß ein Tod

Theaterstück, Monolog

MEHR

Regie: Rudi Ladurner

Irene: Ulrike Lasta

Uraufführung: 9. Mai 1997

menu

Mehr Photos

No items found.
No items found.

Pressestimmen

Die zum „Küchenschaben-Dasein“ Verdammte ohne Vergangenheit und ohne Zukunft hat tatsächlich keinen Raum, so wenig wie sie ihn im Ehegefängnis hatte, hat sie ihn als Strafgefangene. Sie kann sich nur immer wieder ihre eigene Geschichte erzählen. Aber besteht nicht schon darin ein Stück Freiraum, ein Stück Auflehnung, ein kleines Stück Halt?

Die zum „Küchenschaben-Dasein“ Verdammte ohne Vergangenheit und ohne Zukunft hat tatsächlich keinen Raum, so wenig wie sie ihn im Ehegefängnis hatte, hat sie ihn als Strafgefangene. Sie kann sich nur immer wieder ihre eigene Geschichte erzählen. Aber besteht nicht schon darin ein Stück Freiraum, ein Stück Auflehnung, ein kleines Stück Halt?

Margit Oberhammer, ff Südtiroler Wochenmagazin, 17. Mai 1997

Tageszeitung: Ihr Stück „Bis daß ein Tod“ ist eigentlich ein Dialog zwischen einer Gefängnisinsassin, die einen Mord begangen hat, und einem Journalisten. Der Leser oder der Zuschauer wird aber nur mit den Worten der Gefängnisinsassin konfrontiert. Warum haben Sie den Journalisten ausgeblendet?

Sabine Gruber: Ich habe bewußt den Interviewpartner ausgeblendet, weil dieser nicht real existiert. Die Frau, Irene, sitzt in einer Zelle und stellt sich vor, wie sie interviewt wird.  Sie versucht in der Zelle für sich und ihre Situation Worte zu finden, „die Stimme ist ihr Trost“, wie für Franz Biberkopf in Döblins Roman „Berlin Alexanderplatz“. (...) Ich wollte, daß diese Figur sowohl über ihre Situation als auch über die Gedanken derer reflektiert, die über sie sprechen oder schreiben könnten.“

(...)

Sabine Gruber: Mir ging es darum, den geschlechtsspezifischen Umgang mit Kriminalität aufzuzeigen. Frauenkriminalität wird anders bewertet als Männerkriminalität. Wenn Frauen im Affekt töten, dann traut man ihnen das erstmal gar nicht zu. Sie sind ja körperlich schwächer als Männer.

(...)

Tageszeitung: Bei der Veranstaltung „Selbst und Fremd. Texte zwischen Südtirol und Wien“ behaupteten Sie kürzlich, daß die gesellschaftspolitischen Verhältnisse eine weibliche Künstlerexistenz in Südtirol verunmöglichen.

Sabine Gruber: Dafür ist einerseits die Rolle der Kirche verantwortlich, andererseits werden Frauen im Bildungsweg noch immer vorwiegend auf Arbeiten vorbereitet, die im familiären, sozialen Bereich liegen, und durch die fehlende Universität hat in Südtirol keine breite Frauenbewegung entstehen können. Wenn überhaupt war sie immer eine Importbewegung. Luise Pusch, eine feministische Sprach- und Literaturwissenschaftlerin, sagt ganz klar, daß die ersten Stücke, die in Deutschland von Frauen geschrieben wurden, alle aus einem feministischen Kontext heraus entstanden sind: Es handelt sich um Schriftstellerinnen, die in der Frauenbewegung tätig waren, die klare theoretische Ansätze hatten. Ich glaube, daß „Bis daß ein Tod“ das erste Stück einer Südtirolerin ist, das aufgeführt wird. Das hat ganz klare literatursoziologische Gründe. Stücke auf der Bühne setzen sich immer mit gesellschaftspolitischen Fragen auseinander: Und Frauen waren aus dem politischen Bereich lange ausgeklammert.

Stephan Hilpold im Gespräch mit Sabine Gruber, Tageszeitung, 9.5.1997

Pressestimmen

Die zum „Küchenschaben-Dasein“ Verdammte ohne Vergangenheit und ohne Zukunft hat tatsächlich keinen Raum, so wenig wie sie ihn im Ehegefängnis hatte, hat sie ihn als Strafgefangene. Sie kann sich nur immer wieder ihre eigene Geschichte erzählen. Aber besteht nicht schon darin ein Stück Freiraum, ein Stück Auflehnung, ein kleines Stück Halt?

Margit Oberhammer, ff Südtiroler Wochenmagazin, 17. Mai 1997

Tageszeitung: Ihr Stück „Bis daß ein Tod“ ist eigentlich ein Dialog zwischen einer Gefängnisinsassin, die einen Mord begangen hat, und einem Journalisten. Der Leser oder der Zuschauer wird aber nur mit den Worten der Gefängnisinsassin konfrontiert. Warum haben Sie den Journalisten ausgeblendet?

Sabine Gruber: Ich habe bewußt den Interviewpartner ausgeblendet, weil dieser nicht real existiert. Die Frau, Irene, sitzt in einer Zelle und stellt sich vor, wie sie interviewt wird.  Sie versucht in der Zelle für sich und ihre Situation Worte zu finden, „die Stimme ist ihr Trost“, wie für Franz Biberkopf in Döblins Roman „Berlin Alexanderplatz“. (...) Ich wollte, daß diese Figur sowohl über ihre Situation als auch über die Gedanken derer reflektiert, die über sie sprechen oder schreiben könnten.“

(...)

Sabine Gruber: Mir ging es darum, den geschlechtsspezifischen Umgang mit Kriminalität aufzuzeigen. Frauenkriminalität wird anders bewertet als Männerkriminalität. Wenn Frauen im Affekt töten, dann traut man ihnen das erstmal gar nicht zu. Sie sind ja körperlich schwächer als Männer.

(...)

Tageszeitung: Bei der Veranstaltung „Selbst und Fremd. Texte zwischen Südtirol und Wien“ behaupteten Sie kürzlich, daß die gesellschaftspolitischen Verhältnisse eine weibliche Künstlerexistenz in Südtirol verunmöglichen.

Sabine Gruber: Dafür ist einerseits die Rolle der Kirche verantwortlich, andererseits werden Frauen im Bildungsweg noch immer vorwiegend auf Arbeiten vorbereitet, die im familiären, sozialen Bereich liegen, und durch die fehlende Universität hat in Südtirol keine breite Frauenbewegung entstehen können. Wenn überhaupt war sie immer eine Importbewegung. Luise Pusch, eine feministische Sprach- und Literaturwissenschaftlerin, sagt ganz klar, daß die ersten Stücke, die in Deutschland von Frauen geschrieben wurden, alle aus einem feministischen Kontext heraus entstanden sind: Es handelt sich um Schriftstellerinnen, die in der Frauenbewegung tätig waren, die klare theoretische Ansätze hatten. Ich glaube, daß „Bis daß ein Tod“ das erste Stück einer Südtirolerin ist, das aufgeführt wird. Das hat ganz klare literatursoziologische Gründe. Stücke auf der Bühne setzen sich immer mit gesellschaftspolitischen Fragen auseinander: Und Frauen waren aus dem politischen Bereich lange ausgeklammert.

Stephan Hilpold im Gespräch mit Sabine Gruber, Tageszeitung, 9.5.1997